Tanz auf den Vulkan

30.09.

Gut, dass wir ihn, den Berg, den Vulkan, nicht vorher gesehen haben! Ansonsten hätten wir uns eventuell noch einmal gemütlich in den Schlaf gedreht, statt morgens um halb sechs aufzustehen, um einen der wohl anstrengendsten Tage unserer Reise zu beginnen.

So haben wir uns vorgenommen den ca. 2800 m hohen Vulkan Villarica zu erklimmen ohne wirklich zu wissen was uns erwartet. Die Wanderung war ausgewiesen als eine auch für ungeübte, nicht bergerprobte Kletterer gut machbare Wanderung. Mich hat dieser Ausflug jedoch sehr nah an die Grenzen meiner körperlichen Belastung gebracht.

Wir sind mit einer Gruppe von ca. 20 Leuten gestartet, die von 5 professionellen Guides begleitet wurde. Das Wetter war perfekt: milde Temperatur, fast kein Wind und eine atemberaubend klare Luft! Schon von Beginn an konnten wir den qualmenden Krater in schwindelerregender Höhe sehen. Die Wanderung starte gemütlich. In Serpentinen schlengelten wir uns mit geringer Steigung den Berg empor. Der Eispickel, der uns als Bremse beim Sturz und Stütze beim Gehen dienen sollte, wurde unser bester Freund.
Der zweite Part wurde dann anstrengender. Mit Steigeisen unter den Schuhen und dünner werdender Luft, wanderten wir in kleinen Schritten den stark an Steigung gewinnenden Vulkan hinauf. Zwischenzeitlich, als der Weg eisig und schräg wurde, bin ich fast verzweifelt und wollte nicht weiter gehen. Fünf Stunden und 2 Wadenkrämpfen später haben wir dann allerdings den Krater erreicht und die Aussicht von dort aus war es mehr als wert. Wir konnten in den Krater blicken und den leicht grauen Qualm aus der Erde aufsteigen sehen. Über den Wolken angekommen erlaubte der Vulkan einen unverstellten Blick ins Land auf weitere Vulkane und Berge, unserer kleines Pucon, Seen und  ausgedehnte Wälder. Schön…

Mit ständigen Blick auf die Wolken vor uns und den vereisten Boden unter uns, war der Abstieg  zunächst ähnlich anstrengend wie bergauf. Aber als der schwierige Part überstanden war, konnten wir auf einem Hinternschutz (butt pad) weite Strecken einfach herunter rutschen. Das ging wesentlich schneller und machte deutlich mehr Spaß. Als dann der Schnee zu nass und die Strecke zu flach wurde, konnten wir  dann einen Plastikschlitten unter uns schnallen und noch weiter rodeln. Das war lustig. Und irgendwann waren wir dann unten und wieder in Pucon. Dort hatten unsere Guides dann das beste Geschenk überhaupt für uns: Kaltes Bier!
Mit einem kleinen Grillfest im Hostel endete unser sportlicher und ereignisreicher Tag.

D.

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Landflucht

29.09.

Die Tage in Santiago waren eindrucksvoll, aber nach knapp einer Woche Großstadtleben waren wir froh uns wieder zu verabschieden. So machten wir uns mit dem Zug auf in Richtung Süden nach Chillan. Da Züge in Südamerika echte Raritäten sind, war die Fahrt ansich bereits ein Erlebnis. In Chillian haben wir uns allerdings nicht lange aufgehalten. Berichtenswert ist hier vor allem die architektonisch interessante Kirche und ein kräftiges Essen aus viel gebratener Wurst verschiedener Sorten, dönerartigem Fleisch, fettigen Pommes und jeder Menge Zwiebeln. Rico!

Schon am nächsten Tag fuhren wir mit einem exterm komfortabelen Reisebus weiter gen Süden nach Pucon. Pucon ist eine Kleinstadt direkt an einem wunderschönen, klaren See gelegen mit schwarzem Sandstrand und saftig grüner Vegetation. Es ist umgeben von massiven Bergketten und liegt am Fuß eines alles überragenden Vulkans. So ist es zumindest auf Postkarten zu sehen… Am ersten Tag unseres Aufenthaltes hingen die Wolken so tief, dass wir die Berge zwar erahnen, nicht jedoch den riesigen Vulkan sehen konnten. Zum Glück nicht – sonst hätten wir unsere Freizeitaktivitäten wohl anders geplant…
Glücklicherweise verbesserte sich das Wetter mit jedem weiteren Tag und so konnten wir bereits am zweiten Tag eine ausgedehnte Wanderung durch den Huerquerhe Nationalpark machen. Unser Ziel waren drei über der Schneegrenze gelegene Bergseen mit bläulich leuchtendem Wasser. Unser Weg verlief durch dichte Mischwälder, die denen in Deutschland ähnlich sind, jedoch immer wieder von Inseln aus Bambus und riesigen Fahnen durchsetzt sind. Die hochgelegenen Seen speisten nach dem vielen Regen der vergangenen Tage zwei kräftige Wasserfälle, die uns ganz schön nass gemacht haben.

Je näher wir jedoch den Gipfeln der Berggruppe kamen, desto matschiger und schlammiger wurden die Wanderwege. Als zum Schluss noch etwas frischer Regen dazu kam, wurde unsere Wanderung zu einer echten Rutschpartie. Spass hat’s trotzdem gemacht…

D.

Impftag

25.09.

Da unsere geplante Reiseroute nur ein Ziel umfasst, für das eine Gelbfiberimpfung empfohlen wird und sonst vor der Abreise noch so viel zu erledigen war, ist diese Maßnahme in Heidelberg irgendwie untergegangen. Nach weiteren Recherchen in Santiago haben wir es aber doch für notwendig empfunden, diese Impfung nachzuholen.

Dazu wurde uns die Clinica Alemana empfohlen, die allerdings weit über unserem Budget lag, wie sich vor Ort herausstellte. Eine Impfung passiert in Chile in folgenden Schritten: 1) Termin beim Arzt, der einem ein Rezept verschreibt; 2) mit dem Rezept den Impfstoff in der Apotheke kaufen gehen; 3) in einer impf-station (vacunaria) den Impfstoff injiziert bekommen. In der Clinica Alemana hat allein der Arztbesuch pro Person über 50 € kosten sollen und da wäre noch keiner der weiteren Schritte eingeschlossen. Allerdings ist diese Klinik wohl auch die Beste in Santiago und für einen Notfall die erste Adresse. Leider haben die meisten Chilenen wohl keine reguläre Krankenversicherung wodurch diese hervorragende medizinische Behandlung einigen Wenigen vorbehalten ist.

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Für unsere Impfung sind wir dann zunächst zum Tropeninstitut der katholischen Universität aufgebrochen, wo man uns jedoch eine Behandlung aufgrund unseres nicht existenten Glaubens verweigert hat… Kleiner Scherz, da gab’s auf die schnelle keinen Termin beim Arzt, aber man hat und freundlicherweise auf das darvax Institut aufmerksam gemacht, die eine Lizenz zum Aufbewahren und Verabreichen von Impfstoff auch ohne Rezept haben. Innerhalb von 30 Minuten könnten wir dort dann unsere Impfung entgegennehmen. Und eine kleine Süßigkeit danach gabs auch 😉

A.

Valparaiso

24.09.

Der erste Ausflug weg von Santiago führte uns an den Pazifik in die Weltkulturerbestadt Valparaiso. Die Stadt besticht durch ihre malerische Lage auf vielen kleineren und größeren Hügeln an einer nach Norden offenen Bucht des pazifischen Ozeans.

Die kleinen Häuser und Gassen sind meist bunt bemalt und kunstvoll dekoriert mit aufwendigen Graffitis. Generell vermitteln die niedrigen und einfachen Häuser mit bemalten Putz ein karibisches Flair, wobei es hier jedoch noch arschkalt ist. Generell ist Valparaiso nicht nur Sitz des chilenischen Parlaments sondern auch kulturelles Zentrum Chiles. Die unübertroffe Straßenkunst wird ergänzt durch zahlreiche Ausstellungen und Kulturveranstaltungen.

Der Höhenunterschied zwischen den Hügeln kann über bunte Treppen oder über seilbahnartige eiserne Aufzüge, sogenannte accesadores, zurückgelegt werden. Von den Gipfeln der Berge hat man einen wunderbaren Ausblick auf den Ozean, den an Bedeutung verlorenen kleinen Hochseehafen und die Ankerplätze der chilenischen Kriegsmarine. Valparaiso – das ist auch viel verganger Glanz.

Drei Dinge haben Chiles Wirtschaft und Prosperität stark zugesetzt: 1. Zahlreiche Erdbeben und Tsunamis bedingt durch die Lage an der Grenze tektonischer Platten. 2. Die Eröffnung des Panamakanals und den damit einhergehenden Bedeutungsverlust der Südpassage über Kap Hoorn. 3. Die Haber-Bosch-Synthese mit der Chile schlagartig Exportgut Nummer eins, Nitrat/Salpeter verlor.

Besonders in Valparaiso als erster Anlaufspunkt für Schiffe, die die Südspitze Amerkias umfahren und wo ein Großteil der Güter umgesetzt wird, erlebt man diese Auswirkungen.

Zu unserer besonderen Freude findet sich auf der Spitze eines Hügels ein von Palmen gesäumter Bismarck Platz, direkt an der Straße Alemana. Natürlich hat der hier mit einer Bronzeplakette geehrte Bismarck auch einen grünen Schnauzer bekommen. Ein paar mehr Palmen stünden unserem Heidelberger Bismarckplatz sicher auch ganz gut.

D.

Deutschunterricht

22.09.

Dank Lysan, die hier am Institut National arbeitet und Schüler unterrichtet, hatten wir heute die Gelegenheit selbst die Schule zu besuchen und am Unterricht teilzunehmen. Für die Schüler: Studium am Objekt.

Doch zuerst einmal zur Schule selbst: das Institut national ist eine der wenigen öffentlichen Schulen Santiagos mit gutem Ruf und darauf ausgerichtet Führungskräfte und Politiker von morgen zu produzieren. Dreiviertel aller Präsidenten Chiles – unter ihnen Salvador Allende – haben ihre Schulzeit hier verbracht. Die Schülerschaft ist hochpolitisiert und links orientiert. Salvador Allende und Ikonen der chilesischen Linken dienen als Schablonen für Graffitis und den politischen Habitus. Lysans Interpretation nach, spricht aus den überall sichtbaren sozialistischen Parolen und Symbolen sowjetischer Agitation jedoch vor allem der Drang nach Veränderungen des stikt kapital- und konsumorientierten politischen Systems Chiles. Regelmäßig wird die Schule von den Schülern selbst (!) bestreikt. Erklärtes Ziel ist ein gerechteres Bildungssystem. Dies hat im vorletzten Monat zu einem einmonatigen Austand und Schulausfall geführt. Dummerweise ist Gewalt gegen Sachen probater Bestandteil des Streiks in Chile und so zerstören die Schüler ihre eigenen Einrichtungen wie Stühle, Tische Beamer und Tafeln.
Aus diesem Grund ist es dann auch weit weniger wunderlich, dass die so renommierte Schule in einem eher schlechten baulichen Zustand, kalt und laut ist.

Zu Beginn hat Lysan uns eine Führung durch das große Schulgebäude für die 4000 hier unterrichteten Jungen gegeben. Auch hier ist Fussball der Lieblingssport der meisten Jungen und so sahen wir überall kleine und größere Schüler, die in ihrer Uniform leichte Gummibälle kickten. Danach konnten wir einfach so in den laufenden Unterricht einer vollbesetzten Klasse, die gerade technisches Zeichnen lernte, kommen. Neben der Lautstärke und dem Fakt, dass die Lehrerin lediglich ein Video vor und zurück spulte nicht jedoch selber zeichnete, irritierte uns vor allem der herrenlose Hund im Klassenzimmer. Überhaupt laufen in Santiago hunderte streunernde Hunde herum, die jedoch alle sehr gesund und gepflegt aussehen.

Nach diesem Ausflug in den regulären Schulalltag, hat uns Lysan noch in eine Deutschklasse mit ca. 10 Schülern geführt. Freundlicherweise hat uns die Deutschlehrerin dann auch schnell in ihren Unterricht integriert. Statt Possesivpronomen in künstliche Satzfragmente zu packen, durften Anna und ich uns der Klasse vorstellen und die Klasse durfte uns befragen. Ich nutzte meine Chance, gab den Schülern Nachhilfe in deutscher Geografie und zeigte ihnen das tausende Kilometer entfernte Pasewalk. Das war wirklich lustig und eine interessante Erfahrung.

Vielen Dank, Lysan.

Volksfest

21.09.

Während Daniel hernieder lag, nutzen Daniel Schulkameradin Lysan und ich das schöne Wetter um eine traditionelle „Fonda“ anlässlich der Feiertage zu besuchen. Wie sich herausstellte war das wirklich das chillenischste was wir hätten tun können. Ganz Santiago schien auf dem Fest unterwegs zu sein. Es gab militärische Reit-Shows und eine Kuh-Hetzjagd wo zwei Reiter eine Kuh dazu bringen mussten gegen eine Bande zu krachen und hinzufallen (das war wirklich traurig). Der traditionelle tanz („queca“) wurde von jungen Burschen  mit Hosenträgern und chucks ebenso getanzt wie von alten Mütterchen. Das ganze ist einem Hahn und Hühner geturtel nachempfunden und man tänzelt mit einem Tuch über dem Kopf wedelnd umeinander herum, nur um kurz darauf heftig auf den Boden zu stampfen. Es gab einen Freibier stand (Wooow!) und chilenische Cocktails namens Erdbeben („terremoto“) bestehend aus einem starken Apfelwein mit Zitronen-eisscholle und Grenadine, sehr lecker und gehaltvoll (oder muy Rico, wie man hier sagt)! Hernach ging’s auf ein Karussell, das auch einem Erdbeben glich: eine runde Scheibe die sich dreht und wackelt, mit Sitzen am Rand, an denen man sich gut festhalten musste, denn Gurte gab es natürlich keine 🙂

Der Grund warum sich so vieles auf Erdbeben bezieht ist die große Regelmäßigkeit, mit der ebensolche hier auftreten. Die Bewohner Santiagos versuchen im Falle eines Erdbebens angeblich hauptsächlich herauszufinden, in welche Richtung es wackelt: horizontal, vertikal oder in schlangenbewegungen… Aber davon sind wir bisher verschont geblieben 🙂

A.

Auf der Suche nach der Stadt

19.-20.09.

Am ersten Tag unserer Erkundungstour durch santiago fanden wir also zunächst eine menschenarme Riesenstadt vor, die sich mit ihren eigenen Ausdünstungen den Blick auf die nahen Anden versperrte. Umso überraschender war es dann aber als wir beim Wandern entlang der Hauptstraße O’Higgins zunächst auf Dutzende Polizisten und anschließend auf eine schneidige Militärparade stießen. Am Tag des Heeres feiern die Chilenen ihre Armee und den Sieg Chiles über Bolivien und Peru im Salpeterkrieg um Wüste, Kupfer, Salz und Möwenscheiße.

Nachdem uns die stadt auch nach einer kräftigen Suppe aus Fisch und Meeresfrüchten immernoch etwas suspekt erschien, versuchten wir etwas an Höhe und Übersicht zu gewinnen imdem wir auf den Berg Cerro Christobal wanderten. Vom Berg aus eröffnet sich einem santiago als eine schier unendlich große Stadt. Und besonders an diesem Feiertag zeigt sich chile martialisch und patriotisch: zig Kampfflugzeuge, ein Bomber, und Kampfhubschrauber überfliegen die Stadt im Zuge der Militärparade. Später haben wir gehört, dass es tatsächlich Tradition ist, zusammen mit der Familie die Militärparade live oder vor dem Fernseher mitzuverfolgen. Wir jedoch entschieden uns zum Kontrastprogramm und gingen in den Zoo. Am Fuß des Berges gelegen, beherbergt er vor allem Tiere Südamerikas. Was anna besonders gefiel: der Tapir. Leider war er besonders faul und zeigte uns hauptsächlich sein Hinterteil.
Am folgenden Tag machten wir dann glücklicherweise noch eine geführte stadtour. Unser Tour guide hat es dann doch noch geschafft uns seine Heimatstadt näher zu bringen. So haben wir dann doch noch schöne und interessante Plätze gefunden und eine Idee für den Charakter der Stadt bekommen.

D.