Deutschunterricht

22.09.

Dank Lysan, die hier am Institut National arbeitet und Schüler unterrichtet, hatten wir heute die Gelegenheit selbst die Schule zu besuchen und am Unterricht teilzunehmen. Für die Schüler: Studium am Objekt.

Doch zuerst einmal zur Schule selbst: das Institut national ist eine der wenigen öffentlichen Schulen Santiagos mit gutem Ruf und darauf ausgerichtet Führungskräfte und Politiker von morgen zu produzieren. Dreiviertel aller Präsidenten Chiles – unter ihnen Salvador Allende – haben ihre Schulzeit hier verbracht. Die Schülerschaft ist hochpolitisiert und links orientiert. Salvador Allende und Ikonen der chilesischen Linken dienen als Schablonen für Graffitis und den politischen Habitus. Lysans Interpretation nach, spricht aus den überall sichtbaren sozialistischen Parolen und Symbolen sowjetischer Agitation jedoch vor allem der Drang nach Veränderungen des stikt kapital- und konsumorientierten politischen Systems Chiles. Regelmäßig wird die Schule von den Schülern selbst (!) bestreikt. Erklärtes Ziel ist ein gerechteres Bildungssystem. Dies hat im vorletzten Monat zu einem einmonatigen Austand und Schulausfall geführt. Dummerweise ist Gewalt gegen Sachen probater Bestandteil des Streiks in Chile und so zerstören die Schüler ihre eigenen Einrichtungen wie Stühle, Tische Beamer und Tafeln.
Aus diesem Grund ist es dann auch weit weniger wunderlich, dass die so renommierte Schule in einem eher schlechten baulichen Zustand, kalt und laut ist.

Zu Beginn hat Lysan uns eine Führung durch das große Schulgebäude für die 4000 hier unterrichteten Jungen gegeben. Auch hier ist Fussball der Lieblingssport der meisten Jungen und so sahen wir überall kleine und größere Schüler, die in ihrer Uniform leichte Gummibälle kickten. Danach konnten wir einfach so in den laufenden Unterricht einer vollbesetzten Klasse, die gerade technisches Zeichnen lernte, kommen. Neben der Lautstärke und dem Fakt, dass die Lehrerin lediglich ein Video vor und zurück spulte nicht jedoch selber zeichnete, irritierte uns vor allem der herrenlose Hund im Klassenzimmer. Überhaupt laufen in Santiago hunderte streunernde Hunde herum, die jedoch alle sehr gesund und gepflegt aussehen.

Nach diesem Ausflug in den regulären Schulalltag, hat uns Lysan noch in eine Deutschklasse mit ca. 10 Schülern geführt. Freundlicherweise hat uns die Deutschlehrerin dann auch schnell in ihren Unterricht integriert. Statt Possesivpronomen in künstliche Satzfragmente zu packen, durften Anna und ich uns der Klasse vorstellen und die Klasse durfte uns befragen. Ich nutzte meine Chance, gab den Schülern Nachhilfe in deutscher Geografie und zeigte ihnen das tausende Kilometer entfernte Pasewalk. Das war wirklich lustig und eine interessante Erfahrung.

Vielen Dank, Lysan.

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