Mendoza: Zurück in die Anden

26.10.-31.10.

Anscheinend ist es normal, dass man im Verlauf einer größeren Reise – zumeist nach der Hälfte – eine gewisse Krise durchlebt. Dies ist vor allem dann der Fall, wenn die Reise nicht akribisch durchgeplant ist. So erging es auch uns. Nachdem wir feststellen mussten, dass es an der nördlichen argentinischen Küste tatsächlich nicht viel mehr als nichts zu besichtigen gibt, trafen wir nach zähem Ringen die Entscheidung ans andere Ende des Landes, zurück an die Anden zu fahren. Nach Mendoza.

Mendoza, weltweit bekannt für seinen Rotwein, liegt eigentlich in  einem sehr trockenen Gebiet. Sowohl die Bäume in der Stadt als auch der Wein werden künstlich bewässert durch ein offenes Kanalsystem, das mit Wasser aus den naheliegenden Anden gespeist wird. Nachdem die Stadt bei einem schweren Erdbeben 1861 fast vollständig zerstört worden war, wurde beim Wiederaufbau darauf geachtet, breite Straßen und große Plätze anzulegen um im Fall der Fälle besser gerüstet zu sein. Diese Straßen und Plätze sind heute gesäumt von prächtigen Bäumen und verleihen Mendoza ein gemütliches (grünes) Antlitz.

Zentrales Motiv unseres Aufenthaltes in Mendoza war dann auch der Wein. Schon auf der Fahrt nach Mendoza hatten wir das Glück eine Flasche argentinischen Weißweins beim busweiten Bingo zu erspielen.

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Dem kleinen Jungen war tierisch langweilig darum haben wir uns mit ihm angefreundet und gespielt

Sie beendete nach einer kurzen Stadterkundung den ersten Abend in Mendoza. Um sowohl die Umgebung Mendozas als auch den hiesigen Rotwein kennenzulernen, fuhren wir außerdem in die nahe Weingegend Maipu. Dort mieteten wir uns Fahrräder und besuchten verschiedenene kleine Weingüter. Die Freude über die Fahrt auf der ansich pittoresken Landstraße mit Aussicht auf die nahen Anden und Weinfelder wurde leider deutlich durch den unerwartet dichten Verkehr von LKWs und Bussen getrübt. Gut, dass dies dem Wein offensichtlich nicht schadet. So tranken wir gut und nicht wenig. Ausgedehnte Pausen und eine finale Olivenölverkostung bewahrten uns sowohl davor die Fahrspur zu verlieren, als auch einen Kater zu bekommen.

Neben einem Wandertag in den nahegelegenen Anden, der hier nur durch Fotos näher beschrieben werden soll, konnten wir unseren Aufenthalt in Mendoza auch nutzen um einen Bekannten aus Puerto Montt wieder zu treffen: Gustavo.

Der Professor für Elektromechanik kommt ursprünglich aus Mendoza und ist ein Freund des Reisens und des Weins. Daher war es ein sehr illustres Wiedersehen mit ihm und seiner Tochter. Bei einem typisch argentinischen Grillfest, genannt „asado“, konnten wir (auf spanisch) über vergangene und zukünftige Reiserouten plaudern. Gracias, Gustavo 🙂

A&D

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Natur in Extase

23.10.

Ein grandioses Naturschauspiel wurde uns bei diesem ersten Ausflug in Argentinien zuteil. Weil es größerer sprachlicher Ausschweifungen bedürfte dieses Erlebnis angemessen zu beschreiben, versuche ich mich auf eine Auflistung des Erlebten und einiger Bilder zu beschränken…

Morgens bei Flut sind wir mit dem Auto, zu fünft (inklusive Guide) an einen Strand in der Nähe von Puerto Madryn gefahren und haben zuerst eine rieeesige Spinne gefunden.

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Hauptdarsteller dieser lichtgefluteten, funkelnden Szenerie waren jedoch andere: Wale. Vom Strand aus konnten wir etwa ein Dutzend Glattwale (Südkaper) beobachten. Wir wussten nicht wohin wir schauen sollten, weil sich die Wale über die gesamte Länge des Strandes tummelten. Sie sprangen, trommelten mit den Flossen auf der Wasseroberfläche und prusteten Fontänen in die Luft. Mehr konnten wir für diesen Tag nicht erhoffen und doch kam es noch dicker.

Wir fuhren auf die geschützte Halbinsel Valdez. Dort wimmelte es von Guanakos (Lamas) und Nandus. Mit einem kleineren Boot sind wir dann in eine nahe Bucht vor Puerto Piramides rauagefahren. Nun ging das Spektakel erst richtig los. Bereits nach 10 Minuten stießen wir auf zwei Wale – eine dunkle Mutter mit einem weißen Baby. Auch sie sprangen und spielten in unmittelbarer Nähe des Bootes. Einmal tauchte das Junge direkt unter unserem Boot entlang. Durch das klare Wasser konnten wir kleinste Bewegungen dieses Riesenbabys verfolgen. Höhepunkt war ein gemeinsamer Sprung von Mutter und Kind vor unserem Boot.

Es konnte nicht mehr besser werden und doch fuhren wir weiter in die Bucht und sahen noch mehr Wale in einiger Entfernung. Dann die nächste Sensation: Unser Kapitän lenkte das Boot direkt in eine riesige Herde Delfine. Ne Mijoooon Delfine!  Der Kapitän sprach von über einhundert. Und tatsächlich – wohin man blickte, sah man in Extase schwimmende und hüpfende Delfine: unter uns, neben uns, etwas weiter entfernt und ganz nah. Für Anna erfüllte sich in diesem Moment ein Kindheitstraum:)

Doch die Insel hatte NOCH mehr zu bieten. Am anderen Ende der Küste, der zum offenen Atlantik Geneigten, erwarteten uns nochmals Pinguine (immer, immer wieder nett anzusehen) und riesige, gemütliche Seeelefanten. Jede Bewegung schien den gewichtigen Bullen schwer zu fallen, weshalb sie sich maximal einige Zentimeter vorrobbten um sogleich in der Sonne bei leichter Brise auszuruhen. Nur die (auch ziemlich fetten) Seeelefantenküken machten von Zeit zu Zeit ein paar Meter gut und bettelten nach Futter. Sehr amüsant!

Als i-Tüpfelchen der Tour durch die Halbinsel Valdez sahen wir noch Maras, die sogenannten Pampashasen. Sie haben ungefähr die Größe von einem kleinen Reh, sehen aber aus wie Hasen mit längeren Vorderläufen. Die waren auch ziemlich entspannt und hatten glücklicherweise auch gerade Nachwuchs. Wermutstropfen des Tages war ein Unfallopfer, das wir auf der Straße fanden: ein Gürteltier wurde anscheinend von einem Auto erfasst und lag nun halbtot mit gebrochenen Hinterbeinen vor unserem Wagen. Die Kehrseite des Ökotourismus…

Fazit: Die Halbinsel Valdez ist wahrhaft einmalig und wunderschön. Dieser Ausflug dahin war überwältigend und ich hoffe diesen Tag nie zu vergessen.
D.

Isla Dawson – Zutritt aus Sicherheitsgründen verweigert

Zwischen dem südlichen Festland Chiles und der Insel Feuerland liegt die Isla Dawson. Mit einer Fläche von 1290 ha etwa halb so groß wie das Saarland, ist die Insel heute ein Militärstützpunkt der chilenischen Marine mit 300 Einwohnern.

Auf dieser kleinen Insel am Ende der Welt wurden traurige Episoden chilenischer Geschichte geschrieben.
Nach der Besiedlung Feuerlands durch die Spanier Mitte des 19ten Jahrhunderts, wurden die Ureinwohner, das Volk der Selk’nam, auf ihrer Heimatinsel Feuerland gejagt und ermordet um den Schafzüchtern und Goldsuchern Platz zu machen. Ein kleiner Teil der Selk’nam wurde auf die Isla Dawson gebracht wo sie durch die ihrem Immunsystem unbekannten Krankheiten der Europäer auch starben.

Hundert Jahre später, nach dem Putsch gegen die Allende Regierung im September 1973, ergriff Pinochet die Macht. Mithilfe eines ehemaligen deutschen SS-Offiziers, Walter Rauff, wurde auf der Isla Dawson ein Konzentrationslager für politische Gegner errichtet, das wohl zwischen 1974 und Ende der Achtziger genutzt wurde und erneut viele Menschen das Leben kostete.

Erst im Jahr 2010 wurde das ehemalige Gefängnis/KZ zu einem historischen Monuments Chiles erklärt. 2013 durfte eine Delegation von 50 Mitgliedern von Menschenrechtsorganisationen das Gefängnis besichtigen. Außerdem gibt es einen Spielfilm namens „Dawson. Isla 10.“, basierend auf dem Bericht des ehemaligen Insassen Sergio Bitar. Der Film war nominiert für den Oskar als nicht englischsprachiger Film.

…Die tragische aber interessante Geschichte der Insel hat uns dazu bewogen den Versuch zu unternehmen auf die Insel zu kommen. Nachfragen im Hostel und in der Touristeninfo ergaben, dass Isla Dawson durch kein ziviles Schiff sondern nur mit Hilfe und Erlaubnis der chilenischen Marine zu erreichen ist. Also gingen wir zur örtlichen Admiralität. Annas Spanischkenntnisse wurden dabei auf eine harte Probe gestellt. Mühsam arbeiteten wir uns mit unserem Anliegen von Dienstgrad zu Dienstgrad die Karriereleiter empor. Die Schulterklappen wurden voller – aus Strichen wurden Punkte und Anker. Am Ende sprachen wir mit einem Kapitän. Anna versuchte ihm zu erklären, das wir gerne die Insel und das dortige ehemalige Gefängnis besuchen wollen. Von einem Gefängnis schien der Herr nichts zu wissen…auf die Frage nach dem Nationaldenkmal antwortete er sinngemäß „ja, dort gibt es eine sehr alte Kirche“…
Außerdem erklärte er uns, um die Insel betreten zu dürfen, bräuchten wir eine offizielle Zugangsberichtigung und um die zu bekommen sollte man einer Organisation angehören und einen triftigen Grund haben. Einen Tipp hatte er dann auch noch parat: ein plausibler Grund die Insel zu besuchen wäre doch eher das Beobachten der Flora und Fauna…alles klar.
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Nach gründlicher Überlegung entschlossen wir uns es zu versuchen. Immerhin gehören wir noch immer der Organisation „Universität Heidelberg“ an. Bezüglich des Zwecks unseres Besuchs dachten wir sofort an unseren Professor und passionierten Vogelkundler Prof Wink. Im einer Mail schilderten wir ihm unser Vorhaben und das damit verbundene Problem. Schon am nächsten Morgen hatten wir seine Antwort mit der von ihm verfassten Bitte uns auf die Insel zu lassen um endemische Arten auf der isolierten und nahezu menschenleeren Insel zu dokumentieren. An dieser Stelle daher Vielen Dank an Herrn Wink! Also bereiteten wir am nächsten Tag ein offizielles Anschreiben vor, kopierten Pässe und Studienbescheinigungen und zogen erneut zur chilenischen Armada. Überrascht uns tatsächlich wiederzusehen, durften wir noch einen Dienstgrad höher wandern. Außerdem durften wir nun auf zwei durchgesessenen Ledersesseln gegenüber des Ölgemälde eines Viermasters auf stürmischer See platznehmen.
Dort sitzend informierte uns dieser Herr nochmals geduldig und eindringlich über Risiken und Nebenwirkungen der Besichtigung der Isla Dawson. Nachdem wir noch immer nicht von unsrem Vorhaben abrückten und ihm stattdessen den förmlichen Antrag in die Hand drückten, versprach er uns aber sich noch am selben Tag per Mail zu melden…Da das Wochenende vor der Tür stand ist das natürlich nicht passiert. Montags morgens sind wir daher abermals zur Admiralität aufgebrochen, um uns nach dem Stand unserer Anfrage zu erkundigen. Mittlerweile begrüßten uns die wacheschiebenden Matrosen mit soldatischem Gruß und breitem Grinsen.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem Offizier vom Dienst auf den bereits beschriebenen Ledersesseln wurden wir abermals vertröstet. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen; wir sollten es abends nochmal versuchen. Gesagt getan. Als Anna ebenjenen Offizier wiederum nach der Berechtigung fragte, antwortete er nüchtern „Moment, ich gehe die Antwort holen“ und verschwand im Gebäude.
Wir nahmen also wieder platz auf den Ledersesseln mit Blick auf das schiefe Ölgemälde und warteten. Einige Minuten später wurde uns dann das förmliche Schreiben der chilenischen dritten Armada übergeben, indem uns mitgeteilt wurde, dass es aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich ist uns den Zugang auf die Insel zu gewähren. Das chilenische Militär konnte also nicht für unsere Sicherheit garantieren auf einer Insel, die nur von Militärs bewohnt wird. Nunja.
Die Chance auf die Insel Dawson zu kommen war gegeben und wir haben es zumindest versucht. Man muss sagen die Marineleute waren sehr freundlich und geduldig. Auch wenn es letztlich nicht geklappt hat, war die Erfahrung mit den Soldaten interessant und aufregend. Außerdem haben wir so einen besonderen Abschiedsbrief aus Chile erhalten.

A&D

Feuerland

19.10.

Bis ans Ende der Welt sind wir gekommen…oder zumindest bis an das Ende des amerikanischen Festlands. Zwischen uns, der Antarktis und dem offenen Ozean liegt jetzt nur noch die große Insel Feuerland, isla terra del fuego.

Da wir uns entschlossen haben, statt immer weiter in den Süden zu rutschen, endlich den wärmeren Norden zu bereisen, wollten wir doch wenigstens ein paar Schritte auf dem vielbesungen Feuerland zurücklegen.

Der Name Feuerland ist übrigens auf den Entdecker Magellan zurückzuführen. Als er Feuerland umsegelte, leuchteten ihm die vielen Lagerfeuer der Ureinwohner entgegen.

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Die weitere Geschichte der Besiedlung und des Umgangs mit der indigenen Bevölkerung durch die Europäer ist so grausam und unrühmlich wie überall auf dem amerikanischen Kontinent. Das ansässige Volk der Selk’nam wurde verfolgt, gegen Kopfsgeld gemordet und schließlich ausgelöscht. Nun dienen alte Fotografien und lebensgroße Holfiguren als ethno-touristische Kuriositäten.

Mit einer Autofähre fuhren wir in die in einer kargen Bucht gelegenen Kleinstadt Porvenir. Dieser Teil von Feuerland ist sperlich mit niedriger Vegetation bewachsen. Die Inselwelt ist schroff, von Menschen dünn besiedelt aber reich an Vögeln. Besonders lautstark machen sich Ibise bei unserer Ankunft bemerkbar. Obwohl die Insel von Wind und Sturm gezeichnet ist, haben wir einen warmen, sonnigen und nahezu windstillen Tag. Höhepunkt unserer Erkundungstour durch Porvenir und Umgebung war ein Bier am Ufer der Bucht.

Wer sich (wie ich) schon immer gefragt hat, welches Bier am Ende der Welt getrunken wird, bekommt nun die ungeahnt sensationelle Antwort: Darguner Pils! Ein Bier aus Mecklenburg-Vorpommern. 

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Kein Quatsch, PLZ und Telefonvorwahl stimmen überein… So verbinden sich die beiden Enden der Welt in einem sonnigen Moment flüssigen Glücks. 

Mit dieser Erkenntnis und einem sich bewölkenden Himmel im Rücken stellten wir fest, es ist Zeit wir müssen aus Feuerland zurück…nach Norden…

D.

Pinguine und Seelöwen

18.10.

Heute haben wir einen ganz besonderen Ausflug gemacht. Wir haben mit dem Boot zwei verschiedenen Inseln besichtigt: Eine der Inseln, die Isla Magdalena, beherbergt eine riesige Pinguinkolonie. Die zweite Insel, isla Marta, ist Nistplatz für tausende Kormorane und Adresse einer großen Seelöwenkolonie.

Die Pinguininsel konnten wir per Landgang erkunden und dabei den kleinen Magellanpinguinen ganz nah sein. Wir konnten in ihre kleinen Erdhölen blicken und die Inneneinrichtung bestaunen, haben fleißige Dekorateure beim Matrialtransport angefeuert und der Morgentoilette beigewohnt. Es schien als wären wir exklusive Zuschauer einer klischeebehafteten Pinguin-Telenovela. Es gab konservative Paare mit Männern, die sich dem Nestbau und der Nahrungsbeschaffung verschrieben haben während die Ehefrau vor dem Ei sitzt. Es gab Junggesellen und Alleingebliebene, die sich lautstark nach einem Partner umsahen.

Doch es gab auch Intrigen und Kriminalität: Streuner, die anderen unbescholtenen Pinguinen Nistmaterial stehlen oder in fremder Männer Höle dringen.  Natürlich gab es auch Liebeleien und Techtelmechtel, die blumiger nicht hätten enden können. Insgesamt eine einmalige Vorstellung dieser putzigen, watschelnden Vögel.

Um die Tiere nicht zu stören und uns selbst nicht zu verfüttern, durften wir die zweite Insel nicht betreten, konnten sie aber bestens vom Boot aus beobachten. Wir haben Seelöwen gesehen, die unglaublich viel Lärm gemacht und kräftig gebrüllt haben. Außerdem waren da auch noch andere Robben…ganz zu schweigen von den hunderten Kormoranen, die mit ihrem schwarz-weißen Gefieder aussehen wie flugfähige Pinguine. Klasse.

D.

Faro isidro: Ausflug zum Leuchtturm

17.10.

Nachdem die Beratung der freundlichen Frau in der Touristen Information in Punta Arenas endete mit: „Pinguine? – habt ihr schon gebucht… Torres Del Paine? – da kommt ihr gerade her… Ok, mehr gibts hier nicht“, machten wir uns eigenhändig auf die Suche und fanden den Leuchtturm Isidro als nächstes Ausflugsziel. Aufgrund der fehlenden öffentlichen Busverbindung, beschlossen wir zu viert (mit Thomas und Wayne) ein Auto zu mieten, damit soweit wie möglich (ca. 60 km) in Richtung Leuchtturm zu fahren.

Nachdem sich die geteerte Straße in einen schotterweg verwandelte, der irgendwann mit unserem Standard-Kombi nicht mehr befahrbar war, machten wir uns zu Fuß auf den Weg, immer am Strand entlang in Richtung Leuchtturm. Gleich zu Beginn fanden wir einen weiteren Gefährten, einen Hund, den wir Ralph tauften und der uns den ganzen Weg hin und zurück begleiten sollte. Die Aussicht war die ganze zeit über unglaublich schön, der weitestgehend unberührte Strand, das in der Sonne (ja, Sonne!) glitzernde Meer und in der ferne die teils schneebedeckten Gipfel der umliegenden Inseln wie Feuerland oder der Isla Dawson (mehr dazu in einem anderen Bericht). Nach jeder Bucht kam eine weitere Bucht, einmal musste ein Fluss auf einer abenteuerlichen Brücke aus umgekippten Bäumen überquert werden und nach ca. 3 stunden Wanderung tauchte der Leuchtturm am Ende der nächsten Bucht auf.

Dort angekommen freuten wir uns auf ein heissgetränk und etwas essbares in der Lodge, die im Internet beworben wurde. Leider ist immer noch nebensaison und hier kam mal die negative Seite zu tragen: die lodge war geschlossen. Als der Wärter Carlos jedoch unsere Ankunft bemerkte, lud er uns freundlicherweise zu einem Tee in der geschlossenen Lodge ein – das war so nett und tat so gut! Nach einer kurzen Besichtigung des ebenfalls geschlossenen Leuchtturms sputeten wir uns auf dem Rückweg um das Auto möglichst noch im Hellen zu erreichen. Der Sonnenuntergang war wunderbar rosa und die Rückfahrt geprägt von Hunger und Müdigkeit!

Zurück in Punta arenas gab es die chilenischen Klassiker: hamburgesa completa für Daniel und Hot dog mit Sauerkraut, Tomaten, Mayo und Avocado für mich 🙂

A.

Torres del Paine

10.-13.10.

Kaum hatten wir mit unserem Schiff in Puerto Natales angelegt, ließen wir uns von unseren Schiffskamaraden mitreißen und gingen schon am nächsten Tag in den als Naturweltwunder geltenden Nationalpark „Torres del Paine“. Also ließen öwir uns über Wanderwege, Parkregeln und Wetter informieren um sodann trockenes und kompaktes Essen zu besorgen.

In aller Frühe verabschiedete uns der Hotelbesitzer mit selbstgebackenem Brot, Omlett und echtem Kaffee. Einem Stromausfall haben wir es zu verdanken, dass das Frühstück bei Kerzenschein und Kaminfeuer stattfand.
Gut genährt aber müde machten wir uns also auf den etwa 100 km entfernten Nationalpark zu besuchen. Schon die Busfahrt dahin war eindrucksvoll.

Achtung: wer keine Naturbeschreibungen und Wandergedöns mag, hier die Kurzfassung: wir waren 4 Tage in den Bergen wandern und es war anstrengend, kalt und windig.

Wir fuhren durch weitläufige Prärie, vorbei an unzähligen Lamas, an Nandus und sogar Flamingos. Am Horizont thronten stets mächtige, schneebedeckte Berge. Im Park angekommen präsentierte sich die Natur von ihrer einschüchternden Seite mit Windböen von 150 km/h und bewölktem Himmel. Mit einem Katamaran fuhren wir über einen türkisfarbenen See. Die Windspitzen zerstreuten das Wasser und ließen kräftige Wellen über dem Boot zusammenschlagen. Das hat gefetzt, denn wollte man sich bewegen, musste man unweigerlich diese Matrix-ähnlichen Bewegungen ausführen. Am anderen Ufer startete unsere Wandergruppe bestehend aus einem australischen Ehepaar englischer bzw französischer Herkunft, einem Deutschen, einer holländischen Australierin und einem eingeborenen Australier und uns. Unser Wanderplan sah die sogenannte W-Route (rot) vor.

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Sie führte uns bei immernoch heftigem Wind über schroffe Pisten und glattes Gestein zu einem riesigen Gletscher, der einen großen Gletschersee speist. Die mäßige Steigung und unsere 15 Kilo Wandergepäck ließen uns trotz Kühlschranktemperatur nicht frieren und gelegentlich hatten wir sogar Sonnenschein. Auf einem Campingplatz nahe dem Gletscher haben wir dann im Zelt übernachtet und bei Wind und Minusgraden ziemlich gefroren. Am nächsten Tag legten wir eine ordentliche Wanderstrecke zurück um einen anderen Campingplatz zu erreichen, der weder Strom noch Wasseranschluss hatte. Auf dem Trockenen saßen wir aber trotzdem nicht. Überall im Park sprudeln Quellen aus dem Berg und so hat das Wasser in Bächen und Flüssen Trinkwasserqualtät. So konnten wir Wasser für Nudeln und zum Trinken direkt aus dem Fluss zapfen. Nur das Abwaschen des Geschirrs im eisigen Wasser war eine ungemütliche Angelegenheit.

Die Landschaft um die Torres del Paine ist einfach sagenhaft. Zwar zeigte sich der Park uns schroff und unwirtlich jedoch von einer wilden und ungestümen Schönheit. Alle paar Kilometer verändert sich die Landschaft, wandelt ihren Charakter. Wir passierten enge Schluchten, Gletscher, Ufer glasklarer Bergseen, steile Klippen mit grandioser Aussicht und im Zentrum steht immer das Gesteinsmassiv, das dem Park seinen Namen gibt. Die Torres del Paine sind steil aufstrebende Massive, die aussehen wie nebeneinander stehende Türme. Leider versperrten uns meist dichte Wolken den Blick auf die schneebedeckten Gipfel und die berühmte Gesteinsformation. Eigentlich konnten wir nur am ersten Tag die Torres bewundern.

Auch die Tierwelt im Nationalpark ist faszinierend. Es gibt eine Vielzahl von Vögeln und sogar Puma. Einige Leute hatten das Glück tatsächlich Pumas zu sehen. Einer von ihnen will sogar einen Puma einen Hasen fressen sehen haben. Wir dagen haben statt Pumaa leider nur Hasen gesehen. Das beeindruckendste waren dann auch riesige Kondors, die hoch am Himmel mit den heftigen Winden segelten und über unsere Köpfe flogen. Majestätisch.
Doch auch einige traurige Landschaftsbilder sind an uns vorbeigezogen. Ein Brand im Jahr 2010, ausgelöst durch rauchende Besucher, hat große Teile des Nationalparks, vor allem die uralten, lichten Wälder vollkommen zerstört. Unzählige trockene  Baumskelette, die wie silberne Grabsteine den Wegesrand markieren, trotzen noch immer dem kräftigen Wind.

Am dritten Tag hat uns das Wetter ordentlich zugesetzt. Zunächst hatte es nur ein wenig geschneit aber bald fing es an kräftig und ausdauernd zu regnen. Irgendwann waren wir gründlich durchnässt aber dadurch auch richtig schnell. Wir haben uns dann in ein Refugio geschleppt und kurze Zeit später unsere gesamte Wandergruppe gefunden. Da die meisten von uns ein warmes Zimmer im Refugio bevorzugten, konnten wir glücklicherweise deren Campingausrüstung abgreifen und hatten so dank zwei Schlafsäcken und Isomatten pro Person die beste Nacht unseres Wanderausflugs. Zuvor haben wir uns aber noch eine warme Dusche und frisches Bier im warmen Refugio gegönnt.
Leider mussten wir letztendlich feststellen, dass zwei unserer Hauptausflugsziele wegen schlechtem Wetter (Schnee und starjer Wind) gesperrt waren. So konnten wir weder den hängenden Gletscher noch die Paradeansicht der Torres bewandern. Unsere unsere Wanderroute wurde so von einem veritablen W zu einem mickrigen L. Das  war schade.

Doch das Wetter hier unten in Patagonien ist kaum vorhersagbar. Nur hätten wir uns ein besseres Informationsmanagement der Ranger im Park gewünscht. Dennoch war unsere Wanderung ein kleines Abenteuer und ein unvergessliches Naturerlebnis.

D.