Torres del Paine

10.-13.10.

Kaum hatten wir mit unserem Schiff in Puerto Natales angelegt, ließen wir uns von unseren Schiffskamaraden mitreißen und gingen schon am nächsten Tag in den als Naturweltwunder geltenden Nationalpark „Torres del Paine“. Also ließen öwir uns über Wanderwege, Parkregeln und Wetter informieren um sodann trockenes und kompaktes Essen zu besorgen.

In aller Frühe verabschiedete uns der Hotelbesitzer mit selbstgebackenem Brot, Omlett und echtem Kaffee. Einem Stromausfall haben wir es zu verdanken, dass das Frühstück bei Kerzenschein und Kaminfeuer stattfand.
Gut genährt aber müde machten wir uns also auf den etwa 100 km entfernten Nationalpark zu besuchen. Schon die Busfahrt dahin war eindrucksvoll.

Achtung: wer keine Naturbeschreibungen und Wandergedöns mag, hier die Kurzfassung: wir waren 4 Tage in den Bergen wandern und es war anstrengend, kalt und windig.

Wir fuhren durch weitläufige Prärie, vorbei an unzähligen Lamas, an Nandus und sogar Flamingos. Am Horizont thronten stets mächtige, schneebedeckte Berge. Im Park angekommen präsentierte sich die Natur von ihrer einschüchternden Seite mit Windböen von 150 km/h und bewölktem Himmel. Mit einem Katamaran fuhren wir über einen türkisfarbenen See. Die Windspitzen zerstreuten das Wasser und ließen kräftige Wellen über dem Boot zusammenschlagen. Das hat gefetzt, denn wollte man sich bewegen, musste man unweigerlich diese Matrix-ähnlichen Bewegungen ausführen. Am anderen Ufer startete unsere Wandergruppe bestehend aus einem australischen Ehepaar englischer bzw französischer Herkunft, einem Deutschen, einer holländischen Australierin und einem eingeborenen Australier und uns. Unser Wanderplan sah die sogenannte W-Route (rot) vor.

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Sie führte uns bei immernoch heftigem Wind über schroffe Pisten und glattes Gestein zu einem riesigen Gletscher, der einen großen Gletschersee speist. Die mäßige Steigung und unsere 15 Kilo Wandergepäck ließen uns trotz Kühlschranktemperatur nicht frieren und gelegentlich hatten wir sogar Sonnenschein. Auf einem Campingplatz nahe dem Gletscher haben wir dann im Zelt übernachtet und bei Wind und Minusgraden ziemlich gefroren. Am nächsten Tag legten wir eine ordentliche Wanderstrecke zurück um einen anderen Campingplatz zu erreichen, der weder Strom noch Wasseranschluss hatte. Auf dem Trockenen saßen wir aber trotzdem nicht. Überall im Park sprudeln Quellen aus dem Berg und so hat das Wasser in Bächen und Flüssen Trinkwasserqualtät. So konnten wir Wasser für Nudeln und zum Trinken direkt aus dem Fluss zapfen. Nur das Abwaschen des Geschirrs im eisigen Wasser war eine ungemütliche Angelegenheit.

Die Landschaft um die Torres del Paine ist einfach sagenhaft. Zwar zeigte sich der Park uns schroff und unwirtlich jedoch von einer wilden und ungestümen Schönheit. Alle paar Kilometer verändert sich die Landschaft, wandelt ihren Charakter. Wir passierten enge Schluchten, Gletscher, Ufer glasklarer Bergseen, steile Klippen mit grandioser Aussicht und im Zentrum steht immer das Gesteinsmassiv, das dem Park seinen Namen gibt. Die Torres del Paine sind steil aufstrebende Massive, die aussehen wie nebeneinander stehende Türme. Leider versperrten uns meist dichte Wolken den Blick auf die schneebedeckten Gipfel und die berühmte Gesteinsformation. Eigentlich konnten wir nur am ersten Tag die Torres bewundern.

Auch die Tierwelt im Nationalpark ist faszinierend. Es gibt eine Vielzahl von Vögeln und sogar Puma. Einige Leute hatten das Glück tatsächlich Pumas zu sehen. Einer von ihnen will sogar einen Puma einen Hasen fressen sehen haben. Wir dagen haben statt Pumaa leider nur Hasen gesehen. Das beeindruckendste waren dann auch riesige Kondors, die hoch am Himmel mit den heftigen Winden segelten und über unsere Köpfe flogen. Majestätisch.
Doch auch einige traurige Landschaftsbilder sind an uns vorbeigezogen. Ein Brand im Jahr 2010, ausgelöst durch rauchende Besucher, hat große Teile des Nationalparks, vor allem die uralten, lichten Wälder vollkommen zerstört. Unzählige trockene  Baumskelette, die wie silberne Grabsteine den Wegesrand markieren, trotzen noch immer dem kräftigen Wind.

Am dritten Tag hat uns das Wetter ordentlich zugesetzt. Zunächst hatte es nur ein wenig geschneit aber bald fing es an kräftig und ausdauernd zu regnen. Irgendwann waren wir gründlich durchnässt aber dadurch auch richtig schnell. Wir haben uns dann in ein Refugio geschleppt und kurze Zeit später unsere gesamte Wandergruppe gefunden. Da die meisten von uns ein warmes Zimmer im Refugio bevorzugten, konnten wir glücklicherweise deren Campingausrüstung abgreifen und hatten so dank zwei Schlafsäcken und Isomatten pro Person die beste Nacht unseres Wanderausflugs. Zuvor haben wir uns aber noch eine warme Dusche und frisches Bier im warmen Refugio gegönnt.
Leider mussten wir letztendlich feststellen, dass zwei unserer Hauptausflugsziele wegen schlechtem Wetter (Schnee und starjer Wind) gesperrt waren. So konnten wir weder den hängenden Gletscher noch die Paradeansicht der Torres bewandern. Unsere unsere Wanderroute wurde so von einem veritablen W zu einem mickrigen L. Das  war schade.

Doch das Wetter hier unten in Patagonien ist kaum vorhersagbar. Nur hätten wir uns ein besseres Informationsmanagement der Ranger im Park gewünscht. Dennoch war unsere Wanderung ein kleines Abenteuer und ein unvergessliches Naturerlebnis.

D.

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Ein Kommentar zu “Torres del Paine”

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