Isla Dawson – Zutritt aus Sicherheitsgründen verweigert

Zwischen dem südlichen Festland Chiles und der Insel Feuerland liegt die Isla Dawson. Mit einer Fläche von 1290 ha etwa halb so groß wie das Saarland, ist die Insel heute ein Militärstützpunkt der chilenischen Marine mit 300 Einwohnern.

Auf dieser kleinen Insel am Ende der Welt wurden traurige Episoden chilenischer Geschichte geschrieben.
Nach der Besiedlung Feuerlands durch die Spanier Mitte des 19ten Jahrhunderts, wurden die Ureinwohner, das Volk der Selk’nam, auf ihrer Heimatinsel Feuerland gejagt und ermordet um den Schafzüchtern und Goldsuchern Platz zu machen. Ein kleiner Teil der Selk’nam wurde auf die Isla Dawson gebracht wo sie durch die ihrem Immunsystem unbekannten Krankheiten der Europäer auch starben.

Hundert Jahre später, nach dem Putsch gegen die Allende Regierung im September 1973, ergriff Pinochet die Macht. Mithilfe eines ehemaligen deutschen SS-Offiziers, Walter Rauff, wurde auf der Isla Dawson ein Konzentrationslager für politische Gegner errichtet, das wohl zwischen 1974 und Ende der Achtziger genutzt wurde und erneut viele Menschen das Leben kostete.

Erst im Jahr 2010 wurde das ehemalige Gefängnis/KZ zu einem historischen Monuments Chiles erklärt. 2013 durfte eine Delegation von 50 Mitgliedern von Menschenrechtsorganisationen das Gefängnis besichtigen. Außerdem gibt es einen Spielfilm namens „Dawson. Isla 10.“, basierend auf dem Bericht des ehemaligen Insassen Sergio Bitar. Der Film war nominiert für den Oskar als nicht englischsprachiger Film.

…Die tragische aber interessante Geschichte der Insel hat uns dazu bewogen den Versuch zu unternehmen auf die Insel zu kommen. Nachfragen im Hostel und in der Touristeninfo ergaben, dass Isla Dawson durch kein ziviles Schiff sondern nur mit Hilfe und Erlaubnis der chilenischen Marine zu erreichen ist. Also gingen wir zur örtlichen Admiralität. Annas Spanischkenntnisse wurden dabei auf eine harte Probe gestellt. Mühsam arbeiteten wir uns mit unserem Anliegen von Dienstgrad zu Dienstgrad die Karriereleiter empor. Die Schulterklappen wurden voller – aus Strichen wurden Punkte und Anker. Am Ende sprachen wir mit einem Kapitän. Anna versuchte ihm zu erklären, das wir gerne die Insel und das dortige ehemalige Gefängnis besuchen wollen. Von einem Gefängnis schien der Herr nichts zu wissen…auf die Frage nach dem Nationaldenkmal antwortete er sinngemäß „ja, dort gibt es eine sehr alte Kirche“…
Außerdem erklärte er uns, um die Insel betreten zu dürfen, bräuchten wir eine offizielle Zugangsberichtigung und um die zu bekommen sollte man einer Organisation angehören und einen triftigen Grund haben. Einen Tipp hatte er dann auch noch parat: ein plausibler Grund die Insel zu besuchen wäre doch eher das Beobachten der Flora und Fauna…alles klar.
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Nach gründlicher Überlegung entschlossen wir uns es zu versuchen. Immerhin gehören wir noch immer der Organisation „Universität Heidelberg“ an. Bezüglich des Zwecks unseres Besuchs dachten wir sofort an unseren Professor und passionierten Vogelkundler Prof Wink. Im einer Mail schilderten wir ihm unser Vorhaben und das damit verbundene Problem. Schon am nächsten Morgen hatten wir seine Antwort mit der von ihm verfassten Bitte uns auf die Insel zu lassen um endemische Arten auf der isolierten und nahezu menschenleeren Insel zu dokumentieren. An dieser Stelle daher Vielen Dank an Herrn Wink! Also bereiteten wir am nächsten Tag ein offizielles Anschreiben vor, kopierten Pässe und Studienbescheinigungen und zogen erneut zur chilenischen Armada. Überrascht uns tatsächlich wiederzusehen, durften wir noch einen Dienstgrad höher wandern. Außerdem durften wir nun auf zwei durchgesessenen Ledersesseln gegenüber des Ölgemälde eines Viermasters auf stürmischer See platznehmen.
Dort sitzend informierte uns dieser Herr nochmals geduldig und eindringlich über Risiken und Nebenwirkungen der Besichtigung der Isla Dawson. Nachdem wir noch immer nicht von unsrem Vorhaben abrückten und ihm stattdessen den förmlichen Antrag in die Hand drückten, versprach er uns aber sich noch am selben Tag per Mail zu melden…Da das Wochenende vor der Tür stand ist das natürlich nicht passiert. Montags morgens sind wir daher abermals zur Admiralität aufgebrochen, um uns nach dem Stand unserer Anfrage zu erkundigen. Mittlerweile begrüßten uns die wacheschiebenden Matrosen mit soldatischem Gruß und breitem Grinsen.

Nach einem kurzen Gespräch mit dem Offizier vom Dienst auf den bereits beschriebenen Ledersesseln wurden wir abermals vertröstet. Die Entscheidung sei noch nicht gefallen; wir sollten es abends nochmal versuchen. Gesagt getan. Als Anna ebenjenen Offizier wiederum nach der Berechtigung fragte, antwortete er nüchtern „Moment, ich gehe die Antwort holen“ und verschwand im Gebäude.
Wir nahmen also wieder platz auf den Ledersesseln mit Blick auf das schiefe Ölgemälde und warteten. Einige Minuten später wurde uns dann das förmliche Schreiben der chilenischen dritten Armada übergeben, indem uns mitgeteilt wurde, dass es aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich ist uns den Zugang auf die Insel zu gewähren. Das chilenische Militär konnte also nicht für unsere Sicherheit garantieren auf einer Insel, die nur von Militärs bewohnt wird. Nunja.
Die Chance auf die Insel Dawson zu kommen war gegeben und wir haben es zumindest versucht. Man muss sagen die Marineleute waren sehr freundlich und geduldig. Auch wenn es letztlich nicht geklappt hat, war die Erfahrung mit den Soldaten interessant und aufregend. Außerdem haben wir so einen besonderen Abschiedsbrief aus Chile erhalten.

A&D

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3 Kommentare zu “Isla Dawson – Zutritt aus Sicherheitsgründen verweigert”

  1. Die einmalige Flora und Fauna war wohl nicht für eure Augen vorgesehen, ihr Füchse. 😉 Google-Maps gibt auch nichts her. Das nennt man in Chile Aufarbeitung der Vergangenheit. Am Ende der Welt will doch keiner Nachforschungen anstellen.

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