Buenos Aires bei Nacht

10.11.-17.11.

Während Buenos Aires bei Tag oftmals gleichbedeutend war mit Kilometer weiten Wanderungen, versuchten wir es bei Nacht etwas gemütlicher angehen zu lassen. Obwohl Buenos Aires angeblich auch niemals schläft und die Parties in den angesagten Clubs erst gegen 2-3 Uhr Nachts überhaupt in Fahrt kommen, erteilten wir eben jenen Clubs aufgrund unseres Musikgeschmacks, unserer unpassenden Kleidung und eben jener Wanderungen bei Tag ausschließlich Absagen.

Anstatt dessen erkundeten wir mit Evita, unserer italienischen Bekannten aus Puerto Madryn, eine Cocktailbar. Ja, Evita heißt wirklich Evita und ist damit ziemlich allein, da es in spanisch sprachigen Ländern nur ein Kosename für Eva ist. Glücklicherweise traf sie in dem Hostel eine Namensvetterin aus Holland, die ebenfalls mit Evita in ihrem Pass verzeichnet war. Das besondere an der Cocktailbar waren leider nicht die Cocktails, sondern der Eingang: ähnlich einer speakeasy Bar in Zeiten der amerikanischen Prohibition war der Zugang zur Bar versteckt in einem Blumenladen. Ein beherzter Schritt durch den Kühlschrank führte dann in den Keller der mit vielen alkoholischen Köstlichkeiten bestückt war. Leider klappte die optimale Mischung der Zutaten noch nicht ganz, aber das Ambiente war grandios. Neben dieser Bar gibt es noch einige andere dieser Art in Buenos Aires, unter anderem Frank’s, das unter den 50 besten Bars der Welt rangieren soll. Aber dazu später mehr.

Am nächsten Abend zog es uns ins Café Tortoni, dem ältesten Café in Buenos Aires (seit 1858), welches auch schon von Hillary Clinton besucht wurde. Das schöne an argentinischen Cafés ist zum einen der Kaffee selbst, der Dank der vielen italienischen Einwanderer viel besser ist als in Chile, und zum zweiten die Tatsache, dass Cafés wirklich noch als gemütlicher Treff- und Diskussionspunkt genutzt werden (können): hat man seinen Kaffee ausgetrunken und die Churros (kleine süße frittierte Teigrollen) gegessen, lässt die Rechnung lange auf sich warten bzw. kommt erst, wenn man sie bestellt. Was Deutsche in den Wahnsinn treibt wird hier zu lautstarken Unterhaltungen genutzt oder einfach zum gemütlichen verweilen. Nach unserem Kaffee gingen wir zu Rotwein über und schauten uns die Tango Darbietung inklusive Gesangs- und Steppeinlagen im Keller des Cafés an. Und wie der Zufall es wollte (die Welt ist ja so klein… Und Südamerika noch kleiner!) trafen wir dort eine gute Bekannte, Sita, von der Fähre wieder!

Dem vielen guten Fleisch, das wir in Argentinien bis dato gegessen hatten wollten wir in Buenos Aires eine Krone aufsetzen: mit Evita besuchten wir Don Julio, ein über die Stadtgrenzen hinaus bekanntes Steakhaus. Der Bekanntheitsgrad ist so hoch, dass unsere Reservierung nach einer 15 minütigen Verspätung verfiel und wir eine weitere Stunde auf einen Tisch warten mussten. Dank des kostenlosen Sekts blieb die Stimmung ungetrübt und unser Warten wurde mit herrlichem Steak, gegrilltem Gemüse und köstlichem Rotwein belohnt! Das rohe Steak zerschmolz auf der Zunge während das medium Rohe mehr Grill-Aroma hatte und trotzdem noch Butterzart war! Im Anschluss wollten wir dann testen ob es in Buenos Aires doch noch Cocktails gibt, die an die in der Bent Bar in Heidelberg heranreichen und machten uns auf den Weg zu Franks Bar. Nachdem wir die Lokalität gefunden hatten, klopften wir an die schwere Eisentür… Sie ging auf, ein großer schwarzer Türsteher musterte uns und befand: „chicas… zapatitas…“ Wir Mädels sollten kleinere, schickere Schuhe tragen. Ok, vielleicht war diese Reaktion auf Evitas Wanderschuhe bei einer schicken Bar zu erwarten… Als auch die Option ohne Schuhe einzutreten fehlschlug, waren wir dennoch froh ins Hostel zurückzukehren und schliefen wohlgenährt ein.

Mit Grill auf der Terrasse auf der rechten Seite - hier noch ohne Action...
Mit Grill auf der Terrasse auf der rechten Seite – hier noch ohne Action…

Freitags feierten wir bei einem gemütlichen Asado auf der Hostel Dachterasse Abschied von Evita, die nach 3,5 monatiger Reise am nächsten Morgen nach Italien zurückflog. Hoffentlich können wir sie dort besuchen und herausfinden, ob die Pizza wirklich so gut ist 😉

An unserem letzten Abend wurden wir von einem Bekannten von Sita, der in Buenos Aires lebt und noch als Nuklear Ingenieur („nukular, es heißt nukular“) arbeitet, zum Abendessen eingeladen. Mit Bier und Wein bepackt machten wir uns auf den Weg in ein „echtes“ Wohnviertel und wurden von Daniel (ja, auch Daniel) herzlich in seiner Wohnung begrüßt. Er hatte ein köstliches Menü vorbereitet, alles ganz untypisch argentinisch, was eine herrliche Abwechslung war! Indisches Flachbrot mit einem Rosinen-Ingwer chutney, Lachs mit einer Soße, die aus so vielen Gewürzen bestand, dass ich es schon vergessen habe, grüner Spargel mit Pesto, ein Hühnchencurry und noch einiges mehr! Dazu erfuhren wir mehr über die Ayurveda Lehre und über seinen Plan anstatt weiter in der Firma zu arbeiten, ein „closed door restaurant“ zu eröffnen. Dabei kochen (Hobby) Köche bei sich zu Hause für eine kleine Gruppe an Gästen, die vorher im Internet eine Reservierung machen müssen. Die Gäste bekommen dann den ungefähren Preis für das Menu gesagt und der Koch kann es nach seinem Belieben zusammenstellen. Gerade in Buenos Aires ist das ein sehr großer Trend momentan, aber auch in Deutschland gibt es schon einige Angebote. Nach dem Essen wollten wir erneut Frank’s Bar einen Besuch abstatten. Wir waren so schick wie möglich gekleidet und der Gastgeber Daniel begleitete uns in polierten Schuhen! Es konnte also nur gut gehen! Die ganze Prozedur also nochmal: Franks Bar, klopf klopf… Klopf klopf… Keine Antwort. Es stellte sich heraus: sonntags um 2:00 Uhr morgens schläft Buenos Aires doch! Zumindest Frank! In einer anderen Bar konnten wir den Abend dann doch noch mit Cocktails abrunden (allerdings lange nicht so gut wie in der bent Bar 😉

A.

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