Rammstein und Fussball in Brasilien

21.-23.11.

Fast hätten wir unseren ersten Halt in Brasilien, Porto Alegre, übersprungen. Zum Glück entschieden wir uns anders und verbrachten das Wochenende in der südlichen Provinzhauptstadt.

Zunächst wurden wir allerdings von brütender Hitze empfangen und von Menschen, die wir nicht verstehen. Wie sich herausstellte ist portugiesisch doch gar nicht sooo gleich wie spanisch, was wir aus irgendeinem Grund erwartet hatten. Aber irgendwie hat dann doch alles funktioniert.

Wir haben ein nettes Hostel mit eigener kleinen Bar gefunden, wo wir unsere ersten brasilianischen Caipirinhas tranken. In der Mittagshitze gingen wir ein bisschen durch die Gegend und fanden ein beeindruckendes all you can eat restaurant mit hervorragendem Fleisch und saftigen Früchten. Gestärkt wanderten wir im schüchternen Schatten eines lichten Parks zum neuen Stadion von Porto Alegre, das Austragungsort einiger WM-Spiele war.

Glücklicherweise ergatterten wir Tickets für das Spiel am nächsten Tag. International gegen Athletico MG.

Das Spiel war eine tolle Erfahrung. Die brasilianischen Gesänge und die Ausgelassenheit der Zuschauer sind einmalig. Die Hingabe der heimischen „International“-Fans für ihren Club und die lautstarke Unterstützung der Mannschaft war in stetiger Einheit mit einer extrovertiert ausgelebten Abscheu für den Spielgegner. Auch wenn das eigentliche Spiel über weite Strecken eher mäßig gut verlief, konnten wir die Stimmung im Stadion und das an sich architektonisch sehr schöne Stadion im Vordergrund eines spektakulären Sonnenuntergangs genießen. Drei Tore fielen letztlich: ein Tor für „International“, kurz darauf ein Ausgleichstor für den Gegner nach Foul-Elfmeter (das erregte natürlich heftige Proteste im Stadion) und ein rettendes Siegtor in der Nachspielzeit, was wir leider verpassten. Trotzdem war’s ein toller Fussballabend.
image

Auch am Abend zuvor wurden wir bereits bestens unterhalten. Beim Weg zum Hostel bemerkten wir einen Rock-Club direkt in der Nähe des Hostels. Wie sich herausstellte hatte diese Disko ein klasse Programm parat und günstige Konditionen. Für relativ wenig Geld kamen wir in den Club und konnten dafür so viel trinken wie wir wollten und das Bier war gar nicht so schlecht. Anstehen, wie in alten Schottendisko-Zeiten, gab’s auch nicht. Das Bier stand in großen Flaschen auf der Theke, wo man sich selbst einschenken konnte. Zudem startete eine Cover band nach der anderen mit ihrem live Auftritt. Es begann eine Michael Jackson Rock Band. Das war wohl eine der lustigsten Bands, die ich je gesehen habe. Die fünf Instrumentalisten trugen schwarze T-Shirts und lange Haare. Der Sänger sah aus wie Eros Ramazotti und trug ein weißes, leicht aufgeknöpftes Hemd. Dazu gab es noch zwei weitere Menschen auf der Bühne, deren Rolle nicht ganz klar wurde.  Einer saß neben dem echten Schlagzeug und spielte Luftschlagzeug während der Biertrinkpausen und ein anderer schien immer nur zum Bier trinken auf die Bühne zu kommen. Selbstverständlich hatten die Jungs auch noch einen brasilianischen Michael Jackson Imiteur engagiert. Herrlich. Die spielten eine Weile und wir amüsierten uns prächtig zusammen mit einem US Marine, den wir zufällig aufgegabelt hatten und der hilfreicherweise Portugiesisch spricht und einen guten Humor hat. Es folgten eine Country Band, die letztlich eine riesige Komförderierten Flagge in die Menge warfen – was besonders unserem US Kumpel sehr suspekt vorkam – und eine Rolling Stones Cover Band.

Höhepunkt des Abends war jedoch die Rammstein Cover Band „Morgenstern“.
image

Die waren richtig klasse. Zwar vermissten wir das Feuer, waren aber froh dass sie Keines hatten. Der Sänger muss sich ziemlich häufig die Völkerball DVD angesehen haben und imitierte den Habitus des Herrn Lindemanns so gut es ging. Die Aussprache und Textsicherheit der deutschen Liedzeilen war übrigens ausgesprochen gut. Vielleicht war der Sänger einer der 100.000 Deutschstämmigen in Porto Alegre. Außerdem muss man sagen, das der „Morgenstern“ Frontmann figurlich eher dem Till der 90er Jahre entsprach…Erwähnenswert ist auch der eine Gitarrist, der in bester Buzz Dee (Knorkator)-Manier lässig seine Gitarre spielte. Sie spielten alle Klassiker und das Publikum  gröhlte. Besonders lautstark wurde es natürlich bei „Du hast“. Schlussakt und letzte Zugabe war allerdings die spanische Rammsteinhymne „Te quiero puta“. Danach war’s 5 und wir waren fertig.

Von der weiteren Stadt haben wir wenig gesehen aber trotzdem hätte sie keinen besseren Eindruck hinterlassen können.

D.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s