Archiv der Kategorie: Brasilien

Zurück in die Zukunft

09.-10.12

Da alles eine Ende hat (außer die Wurst, die hat ja bekanntlich zwei) trifft auch unsere Reise dieses Schicksal. Daher machen wir uns schweren und leichten Herzens zugleich auf den Rückweg.
Aber wir wäre ja keine echten Rucksacktouristen (oder backpacker, wie der bewusst moderne Mensch sagt), wenn nicht auch unsere Rückreise eine Reise wäre.

Also machten wir uns auf der Honiginsel zu Fuß (da keine Autos :)) auf den Weg zum Boot, das uns diesmal nach Pontal do Sul brachte. Von dort aus teilten wir uns ein Taxi nach Paranagua mit einer Psychologieprofessorin, die ihren Doktor in Hamburg gemacht hatte und ihrem Sohn, dem unterwegs schlecht wurde worauf er sich neben Daniel im Taxi erbrach. Von Paranagua ging’s mit einem öffentlichen Bus nach Morretes.

Dort fährt ein Zug zur Provinzhauptstadt Coritiba quer durch weitgehend unberührte Teile des atlantischen Regenwaldes. Für die etwa 70 km lange Strecke brauchte der Tropenzug geschlagene dreienhalb Stunden. Die Bahnstrecke schlängelte sich entlang dichtbewachsener Berghänge über stählerne Viadukte und durch zahlreiche Tunnel. Den Verlauf der Schienen säumten exotische Pflanzen mit Blüten in allen Farben doch vor allem üppige weiße und hellblaue Hortensienstauden. Die Strecke war malerisch jedoch nicht ungefährlich. Entlang der steilen Bergpassagen sahen wir mindestens drei entgleiste Güterzüge. Bei einem der Züge waren Arbeiter damit beschäftigt die im Regenwald verstreute Ladung zu bergen.

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In Curitiba angekommen stärkten wir uns bei Schnitzel und Mikrobrauereibier bevor es mit dem Nachtbus nach Saõ Paulo ging. Hier warten wir nun auf unseren Flug Richtung Deutschland.

ff.

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Ruhe statt Rio

06.-09.10

Nach Iguazu standen wir vor der Frage, wie wir am besten unsere letzten Tage in Südamerika verbringen sollten. Schließlich entschieden wir uns gegen das große und fordernde Rio und statt dessen für eine kleine beschauliche Insel südlich von Saõ Paulo, der ilha do Mel (Honiginsel).

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Die Insel ist erst seit wenigen Jahren elektrizifiert und besitzt noch immer keine Straßen. Autos sucht man auf der Insel daher vergeblich. Die wenigen kleinen Orte auf der Insel sind ausschließlich mit dem Boot oder zu Fuß zu erreichen.

Daher begann unser Inselabenteuer mit einer Busfahrt in die kleine Stadt Paranagua. Hier gibt es noch Kopfsteinpflaster Straßen und viele koloniale Bauten (zerfallen sowie gut erhalten). Auf der anderen Seite liegt etwas außerhalb ein grosser Sojabohnen Umschlagshafen. Wir vertrieben uns die Zeit in der Stadt bis das spätere von zwei Booten am Tag in Richtung Honiginsel ablegte.

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Schließlich tuckerten entlang Mangrovenwäldern, sichteten eine kleine Delphinfamilie und legten 1,5 stunden später an der Honiginsel an.

Die charmante Insel ist ein Paradies für Aussteiger und Alternative. So fanden wir eine günstige Pension betrieben von einer 53-jährigen 9-fachen Großmutter… Im Garten wuchsen exotische Früchte wie Papaya, Passionsfrucht, Ananas und Kaffee. Ringsherum machten sich Kolibries an bunten Blüten zu schaffen und abends kam es vor, dass sich ein Opossum die in der Luft hängenden Stromleitungen entlangschlängelte.

Die warmen Tage verbrachten wir damit kleine, von Badegängen unterbrochene Wanderungen am Strand zu unternehmen und die Sehenswürdigkeiten der Insel zu besichtigen. So sahen wir vom nahen Leuchtturm einen beeindruckenden Sonnenuntergang über der Insel und wanderten zu einem portugiesischen Fort aus dem 18. Jh und zu einer versteckten brasilianischen Festung mit grandioser Aussicht aus dem 20. Jh.

Die Sandstrände der Insel waren traumhaft weiß und fein. Eine Erklärung zur Herkunft des Inselnamens „ilha do Mel“ ist auch, dass „Mel“ eigentlich nicht vom portugiesischen Wort für Honig (es gibt hier keine Bienen) sondern eigentlich vom deutschen „Mehl“ abgeleitet ist und sich auf die feinen Strände bezieht. Mit einigen Caipirinhas, leichten Bieren und diesmal ausreichend Sonnencreme ließen wir es uns auf der Honiginsel gut gehen.

In unserer letzten Nacht auf der Insel, als der Mond plötzlich vom Nachthimmel verschwand, hatten wir einen wunderbaren Blick auf die Sterne des Südens, von dem der Orion den wohl bleibendsten Eindruck hinterließ. Zu den am Himmel über dem Strand strahlenden Sternen, kamen unzählige Glühwürmchen, die ein diffuses grünliches Funkeln am Boden erzeugten. Herrlich. Als wir auf ein letztes Bier unseren Sandweg hinunter gingen, wurden wir von heimischen Fischern eingeladen frisch gefangene und gekochte Krebse zu probieren. Diese gemütliche Geselligkeit in dieser traumhaft sternklaren Nacht war willkommener Abschluss unserer Reise in den Süden Amerikas.

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Cataratas de iguazu – Natur in Ekstase 2

03.-05.12.

„Manchmal muss dir Natur echt übertreiben“ – dieser Gedanke drängte sich uns bei den iguazu – oder Portugiesisch iguaçu – Wasserfällen erneut auf.

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Neben der Hauptattraktion, den mehr als 200 einzelnen Wasserfällen verteilt auf einer Strecke von 2,7 Km und von einer Höhe bis zu 82 Metern, gab es eine große Vielfalt an Tier und Pflanzenarten zu bestaunen. Grund dafür ist die Lage der Wasserfälle mitten in einem tropischen Regenwald, der sich einst über 100 qkm in Argentinien, Brasilien und Paraguay erstreckte. Heute sind leider nur noch 5 % dieser Fläche vorhanden, die aber jetzt durch die Eintrittsgelder der gut besuchten Wasserfälle (1 Mio Besucher pro Jahr) in Form eines Nationalparks erhalten werden.

Zunächst pirschten wir uns von der argentinischen Seite heran. Der Zufall meinte es mal wieder gut mit uns: als wir ankamen war fast Vollmond wodurch wir an der heiß begehrten Führung „Luna llena“ teilnehmen konnten. Des nachts wird der Park fünf Tage im Monat für eine kleine Gruppe (bis 100 Personen) geöffnet und man kann zwei stunden lang den Pfad der oben entlang der Wasserfälle führt ohne künstliche Beleuchtung genießen. Dadurch boten sich uns spektakuläre Ansichten des Naturschauspiels in (fast) schwarz-weiß. Leider (oder glücklicherweise) waren unsere Kameras zu schlecht um diese Ansichten auch nur annähernd in einem Foto festhalten zu können. Auf diese Weise konnten wir ganz den Moment genießen auch wenn andere mitreisende nicht so schnell aufgaben und mit ihren ebenfalls ungeeigneten Kameras Blitzlichter in den Nachthimmel sendeten.

Tagsüber erstrahlten die Wasserfälle dann in der Sonne umringt von saftigem Grün. Hier können die Fotos für sich sprechen. An Tieren gab es für uns neben den aufdringlichen Nasenbären auch Papageien, Spechte, Kolibris, Leguane, Riesenameisen, Geckos und Gürteltiere zu entdecken. Die Jaguare, Pumas und Tapire haben sich leider (oder glücklicherweise?!) erfolgreich in Dickicht versteckt. Die Schmetterlinge warteten hingegen mit ihrer ganzen Form- und Farbenvielfalt auf, aber waren doch eher fotoscheu.

Beide Seiten der Fälle, die brasilianische und die argentinische, haben ihre Highlights und die Kombination aus beiden zeigt das einzigartige Naturschauspiel aus allen Blickwinkeln. Außerdem sind die feinen aufgestäubten Wassertropfen eine angenehme Abkühlung zu den heißen (Frühlings!) Temperaturen 🙂

A.

Ein tropisches Stückchen Pommern

30.11.-02.12.

Wer würde erwarten, dass sich Wind- und Kälte-erprobte Norddeutsche an einem Ort niederlassen, der selten kälter wird als 30°C und meist subtropisch-schwül ist. Ich eher nicht. Daher sind Anna und ich nach Blumenau gefahren, um uns selbst davon zu überzeugen.

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Blumenau ist eine der Städte in Brasilien mit dem höchsten Anteil deutschstämmiger Einwohner und war ein Schwerpunkt deutscher Besiedlung in Südamerika. Die Stadt wurde offiziell von dem Pharmazeuten Dr. Blumenau und einer handvoll weiterer Herrschaften inmitten des damals dicht-bewaldeten brasilianischen Hinterlands gegründet. Zunächst kamen sogar ausschließlich deutsche Einwanderer nach Blumenau und so blieb bis zum 2. Weltkrieg Deutsch die erste offizielle Sprache. Noch immer besteht Deutsch als Umgangssprache in den Familien und wird als erste Fremdsprache in Schulen gelehrt. Viele Straßen-, Firmen-, Waren- und natürlich Familiennamen zeugen ebenfalls von der deutscher Abstammung.

Und tatsächlich, schon im Hostel wurden wir von der Besitzerin auf Deutsch begrüßt und in die Hostelregeln und Gepflogenheiten eingewiesen. Sie sollte nicht die einzige Person bleiben mit der wir hervorragend auf Deutsch kommunizieren konnten: Viele Verkäufer/innen, Kellner und etliche Leute aller Altersgruppen, denen wir zufällig auf der Straße begegnet sind, sprachen teils gebrochen, teils ohne merklichen Akzent Deutsch.

Apropos Straßen, die sind hier ziemlich lang und geschäftig, denn Blumenau ist eine große, am Fluss sehr lang gestreckte Stadt. Zum Glück fanden wir ein brasilianisches Paar mit Mietwagen, das mit uns den Tag verbrachte und uns auf eine Erkundungstour mitnahm. So konnten wir die Stadt und die Umgebung optimal besichtigen und liefen nicht Gefahr unsere brasilianische Gegenwart zu  vergessen. Denn viele Gebäude der Stadt können die Herkunft ihrer Erbauer nicht leugnen. Auch neuere Gebäude deuten eine besondere Vorliebe für die Architektur des Schwarzwaldes und Allgäus an. Oft mit ausgeprägtem Hang zur Kitschigkeit. Wir besuchten das Rathaus der Stadt, das Mausoleum des Dr. Blumenau und natürlich das örtliche Biermuseum. In der tat scheint Bier das zentrale deutsche Pioniergut zu repräsentieren. In der Region gibt es Dutzende Biere, die entweder von deutschen Braumeistern oder deren Nachfahren oder deren Nachfahren (etc.) hergestellt werden. Die Namen der Biere sind teilweise verstörend deutsch:

Eine dieser Brauereien braut ihr „Schornstein“ Bier in einer Kleinstadt nahe Blumenau, genannt Pomerode. Den Faden der Einleitung aufgreifend und der Herkunft des Stadtnamens entsprechend, wurde Pomerode vorwiegend von Einwanderern aus Pommern gegründet und besiedelt.

Den Eingang nach Pomerode markiert ein aus Backsteinen erbautes Stadttor. Darin befindet sich die Tourist Information des Ortes. Zwei deutschsprachige Mädels saßen dort vor einer Karte Pommerns in den Grenzen von 1914 und einem Stadtplan Stettins von 1940 und klären uns über die Attraktionen der Stadt auf. Außerdem fand ich das erste (nicht selbst mitgebrachte) Wappen von Pasewalk in Südamerika! AHU! Aber das sollte nicht die letzte Überraschung gewesen sein…

Zusammen mit dem brasilianischen Pärchen begannen wir Pomerode zu erkunden und versuchten in verschiedenen Lokalitäten Stempel für ein Stempelheft zu sammeln, das uns bei 10 Exemplaren einen gratis Pomerode-Sammelteller versprach. Anfangs verlief die Sammellei locker: wir haben im „Tortenparadies“ und in der Schokoladenfabrik gegessen, in der Opa-Kneipe getrunken und natürlich haben wir auch die „Schornstein“ Brauerei besucht. Auch am Theater sind wir vorbeigezogen. Das steht natürlich am Marleene-Dietrich-Platz. Später mussten wir allerdings einfallsreicher werden und etwa eine Sägemühle, Kerzenmanufaktur und Kleinkunstläden aufsuchen.

Zum Schluss wurde die Jagt nach den 10 Stempeln zum Exess und unsere brasilianische Bekannte überkam ein nicht für möglich gehaltener Jagtinstikt, der uns auch Stempel bereits geschlossener Läden einbrachte. Am Ende bekamen wir unsren 10. Stempel im Restaurant „Wunderwald“, wo wir mit Volksmusik und deutscher Standarte begrüßt wurden und letztendlich unseren hervorragenden Sammeltellergewinn bei Fassbier und Schlachtplatte feierten.

Während der Jagt machte ich darüberhinaus eine tolle Entdeckung! Und zwar trägt der Platz neben der Brauerei den Namen der Pasewalker Nachbarstadt Torgelow. Wie sich herausstellte ist Torgelow eine Partnerstadt von Pomerode und so wurde ihr ein Platz mit fescher Plakette samt Stadtgeschichte und Silhouette sowie ein bodenständiges Monument geweiht. Nicht schlecht!

Irgendwie scheinen sich die Pommern also tatsächlich hier in diesem heißen, feuchten Klima arrangiert zu haben. Wie, weiß ich nicht. Vielleicht reicht diesen Leuten der reine Gedanke an das gemäßigte Klima der deutschen Heimat. Zumindest drängt sich dieser Gedanke beim Besuch des Blumenauer Weihnachtsmarkts auf.

D.

Eine Woche Strandurlaub in Florianopolis

23.10.-30.11.

Florianopolis ist das Tor zur Halbinsel „ilha Catarina“ im Bundesstaat Santa Catarina. Auf dieser kleinen peninsula gibt es insgesamt 42 Strände, für jeden Geschmack etwas: Strände in Richtung Lagune ohne Wellen mit Stand up paddeln, Strände in Richtung Atlantik mit viel Wind und wellen, zum surfen, Party Strände, abgelegene Strände, weitläufige Strände und kleine Strände.

In Florianopolis angekommen wurden wir von einem Tourist Guide namens Genillson empfangen, der meinte, wir seien verrückt, wenn wir eine Nacht in der Stadt bleiben wollten: es sei teuer und laut und zum Schluss würden wir uns ärgern, dass wir den Tag am Strand verschenkt haben. Er kenne eine kleine Pension, 200 m vom Strand entfernt, in der er uns ein Apartment für 80… Nagut, 60 real (27 bzw 20 €) pro Nacht anbieten könne. Nun sind wir ja wahrlich keine doofen Touristen und lassen uns irgendetwas vom nächstbesten Tourist Guide andrehen… Also verbrachten wir 30 min im internet Café um herauszufinden, dass der Ort sehr schön aussieht, der Strand um die Ecke 14 km lang ist und die Hostels dort zwar gut aussehen, aber mindestens doppelt so teuer sind. Also gut, wir entschieden uns für die Pension, wurden dann von Genillson höchstpersönlich dorthin gefahren (und nicht entführt, irgendwo müsste der Haken doch sein) und es war genau das Richtige für uns: Barra de Lagoa ist ein Fischerdorf direkt am Strand und nahe einer großen Lagune, das touristisch genug ist um alle Annehmlichkeiten wie Restaurants, Supermärkte und Postkarten zu bieten, aber (zumindest jetzt in der Nebensaison) klein genug, dass man den Fischern über die Schultern schauen kann während man einen großen Caipirinha für 2,5 € oder Kokoswasser aus der Frucht schlürft.

Unsere Herberge (pousada) war klein aber fein, die Herbergsmutter sehr nett trotz Verständigungsschwierigkeiten und der Strand war wunderschön! Nachdem wir am ersten Tag die Sonne, das Meer und die Weite des Strands voll ausgekostet hatten, kamen uns die beiden folgenden Regentage gerade recht um unseren Sonnenbrand zu kurieren, die nahegelegenen Stadt zu erkunden und Postkarten zu schreiben. Selbst gekocht haben wir trotz eigener Küche nicht oft, da es viele Buffet Restaurants gibt, die zu Mensapreisen eine leckere Auswahl an Speisen oder gar „all you can eat“ anbieten. Nur die günstige Auswahl an reifen, tropischen Früchten haben wir ausgekostet.

Den nächsten sonnigen Tag nutzten wir um Strände im Süden der Insel kennenzulernen. Mit 3 Bussen schafften wir es nach Pantano do sul. Und aßen dort am Strand in einem herrlichen Fisch und Meeresfrüchte Restaurant, wo jeder der wollte eine Nachricht auf einem Zettel hinterlassen konnte und es Cachaça frei Haus gab. Danach begaben wir uns auf die einstündige Wanderung zum Strand Praia da Lagoinha do Leste Der nur zu Fuß (nagut, oder per boot 😉 und durch den Urwald zu erreichen ist. Schon von Weitem bot sich eine herrliche Aussicht! Nach einer Bade- und Entspann- Pause machten wir uns auf den Rückweg und wurden beim Rückblick von vorbeiziehenden Walen gebannt. Herrlich!

Am Abend erreichte uns Bole, ein Freund von Daniel aus Pasewalk, der gerade seine Masterarbeit im nahegelegenen Joinville anfertigt und sein Wochenende auch lieber am Strand als in der Stadt verbrachte. Die Herbergsbesitzer luden uns und andere Gäste zum Fisch Asado ein, zu dem wir gemäß unserer deutschen Wurzeln entsprechend viel Bier beisteuerten. Als gelungenen Abschluss des Tages gab es einen köstlichen Cocktail in „unserer“ Bude.

Nach einem weiteren Tag an „unserem“ Strand und dem Besuch eines Schildkröten Aquariums unterhalten von einem Naturschutzprojekt zur Unterstützung der Schildkrötenpopulationen in Brasilien, genossen wir eine „sequencia de camerãu“, was bedeutet, dass wir frische shrimps in verschiedenen Variationen aufgetischt bekamen: mit Kruste in knoblauchöl, groß zum selber auseinandernehmen (oder auch nicht 😉 und paniert. Dazu gabs fisch und Reis, Pommes und Salat, fishcakes und crabcakes und Remouladensoße und shrimpsoße, also ein wahres Festmahl!

Der letzte Tag stand ganz unter dem Motto Party! An einen partystrand (mit Musik und Ständen) zeigten sich endlich ein paar der vorher angepriesenen brasilianischen Schönheiten, sowohl männlich als auch weiblich (wie man vllt merkt war der Fotoapparat jedoch in männlicher Hand 😉 in knappsten Outfits. Auch konnten wir dem fotoshooting für sexy Postkarten beiwohnen und das Motiv ebenfalls ablichten noch bevor die Karten gedruckt werden.

Abends gab es Cocktails in unserer Stammbude und anschließend ein Konzert einer Reggae und Bob Marley Cover Band in einer offenen Bar mit Ausblick auf einen kleine strandige Bucht! Was für ein gelungener Abschluss!

A.

Rammstein und Fussball in Brasilien

21.-23.11.

Fast hätten wir unseren ersten Halt in Brasilien, Porto Alegre, übersprungen. Zum Glück entschieden wir uns anders und verbrachten das Wochenende in der südlichen Provinzhauptstadt.

Zunächst wurden wir allerdings von brütender Hitze empfangen und von Menschen, die wir nicht verstehen. Wie sich herausstellte ist portugiesisch doch gar nicht sooo gleich wie spanisch, was wir aus irgendeinem Grund erwartet hatten. Aber irgendwie hat dann doch alles funktioniert.

Wir haben ein nettes Hostel mit eigener kleinen Bar gefunden, wo wir unsere ersten brasilianischen Caipirinhas tranken. In der Mittagshitze gingen wir ein bisschen durch die Gegend und fanden ein beeindruckendes all you can eat restaurant mit hervorragendem Fleisch und saftigen Früchten. Gestärkt wanderten wir im schüchternen Schatten eines lichten Parks zum neuen Stadion von Porto Alegre, das Austragungsort einiger WM-Spiele war.

Glücklicherweise ergatterten wir Tickets für das Spiel am nächsten Tag. International gegen Athletico MG.

Das Spiel war eine tolle Erfahrung. Die brasilianischen Gesänge und die Ausgelassenheit der Zuschauer sind einmalig. Die Hingabe der heimischen „International“-Fans für ihren Club und die lautstarke Unterstützung der Mannschaft war in stetiger Einheit mit einer extrovertiert ausgelebten Abscheu für den Spielgegner. Auch wenn das eigentliche Spiel über weite Strecken eher mäßig gut verlief, konnten wir die Stimmung im Stadion und das an sich architektonisch sehr schöne Stadion im Vordergrund eines spektakulären Sonnenuntergangs genießen. Drei Tore fielen letztlich: ein Tor für „International“, kurz darauf ein Ausgleichstor für den Gegner nach Foul-Elfmeter (das erregte natürlich heftige Proteste im Stadion) und ein rettendes Siegtor in der Nachspielzeit, was wir leider verpassten. Trotzdem war’s ein toller Fussballabend.
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Auch am Abend zuvor wurden wir bereits bestens unterhalten. Beim Weg zum Hostel bemerkten wir einen Rock-Club direkt in der Nähe des Hostels. Wie sich herausstellte hatte diese Disko ein klasse Programm parat und günstige Konditionen. Für relativ wenig Geld kamen wir in den Club und konnten dafür so viel trinken wie wir wollten und das Bier war gar nicht so schlecht. Anstehen, wie in alten Schottendisko-Zeiten, gab’s auch nicht. Das Bier stand in großen Flaschen auf der Theke, wo man sich selbst einschenken konnte. Zudem startete eine Cover band nach der anderen mit ihrem live Auftritt. Es begann eine Michael Jackson Rock Band. Das war wohl eine der lustigsten Bands, die ich je gesehen habe. Die fünf Instrumentalisten trugen schwarze T-Shirts und lange Haare. Der Sänger sah aus wie Eros Ramazotti und trug ein weißes, leicht aufgeknöpftes Hemd. Dazu gab es noch zwei weitere Menschen auf der Bühne, deren Rolle nicht ganz klar wurde.  Einer saß neben dem echten Schlagzeug und spielte Luftschlagzeug während der Biertrinkpausen und ein anderer schien immer nur zum Bier trinken auf die Bühne zu kommen. Selbstverständlich hatten die Jungs auch noch einen brasilianischen Michael Jackson Imiteur engagiert. Herrlich. Die spielten eine Weile und wir amüsierten uns prächtig zusammen mit einem US Marine, den wir zufällig aufgegabelt hatten und der hilfreicherweise Portugiesisch spricht und einen guten Humor hat. Es folgten eine Country Band, die letztlich eine riesige Komförderierten Flagge in die Menge warfen – was besonders unserem US Kumpel sehr suspekt vorkam – und eine Rolling Stones Cover Band.

Höhepunkt des Abends war jedoch die Rammstein Cover Band „Morgenstern“.
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Die waren richtig klasse. Zwar vermissten wir das Feuer, waren aber froh dass sie Keines hatten. Der Sänger muss sich ziemlich häufig die Völkerball DVD angesehen haben und imitierte den Habitus des Herrn Lindemanns so gut es ging. Die Aussprache und Textsicherheit der deutschen Liedzeilen war übrigens ausgesprochen gut. Vielleicht war der Sänger einer der 100.000 Deutschstämmigen in Porto Alegre. Außerdem muss man sagen, das der „Morgenstern“ Frontmann figurlich eher dem Till der 90er Jahre entsprach…Erwähnenswert ist auch der eine Gitarrist, der in bester Buzz Dee (Knorkator)-Manier lässig seine Gitarre spielte. Sie spielten alle Klassiker und das Publikum  gröhlte. Besonders lautstark wurde es natürlich bei „Du hast“. Schlussakt und letzte Zugabe war allerdings die spanische Rammsteinhymne „Te quiero puta“. Danach war’s 5 und wir waren fertig.

Von der weiteren Stadt haben wir wenig gesehen aber trotzdem hätte sie keinen besseren Eindruck hinterlassen können.

D.